... O my soul, I taught thee the contempt which doth not come like worm-eating, the great, the loving contempt, which loveth most where it contemneth most ...

from: Thus spake Zarathustra, Friedrich Nietzsche


ÜBERSICHT / NAVIGATE

>> ÜBER UNS

Liebe und Verachtung
Love and contempt


Zum heiligen Geleit:

VON DER GENITALEN SEXUALITÄT
ZUM SINNLICHEN LEBENSKUNSTWERK

Der wohl interessanteste Aspekt von Lebensintensität ergibt sich für einen Mann in der Auseinandersetzung mit dem Phänomen Frau. Nicht umsonst lästern dogmatische Feministinnen, “der Mann” denke “durchschnittlich alle 3,5 Minuten an Sex”.

Und dennoch nicht ganz richtig! Denn vor dem Sex kommt die Eroberung - oder deren mehr oder minder ambitionierter Versuch. Vielen kommt es weniger auf das Gewinnen des Kampfes an. Häufig geht es einfach nur um das Kämpfen an sich. Um die sympathische Frechheit. Um die inspirierte Wangenröte, das unverhoffte Berührtsein, die (abgedroschenen) Schmetterlinge im Bauch. Um die verunsicherte Frage von Penis an Gehirn: Erlaubt das romantische Timbre die sachliche Erektion? Fordert mein Gegenüber den Lendenimpuls - als gebührliche Schmeichelei? Oder fürchtet es ihn - als ernüchternden Hinweis auf menschliche Erdgebundenheit? - Ganz nebenbei entfaltet sich die Kulturgeschichte.

Und wenn es dann “bis zum letzten” kommt? - Das Wort “Sex” hat leider einen sehr reduzierenden Charakter. Was bio-wissenschaftlich nichts weiter als das natur-erfundene Zufallsexperiment “Meiose” ist, gilt im Alltagsverständnis als der schnöde, der unter Spießern offiziell tabuisierte und inoffziell glorifizierte Geschlechtsakt. Vulgär bis volkstümlich: der Fick, das Bumsen, das Pimpern. das Vögeln. La jodienda. Einen einschieben. Einlochen. Durchnudeln. Dummnudeln - bis hin zum reichlich überspannten Wund- oder gar “Kaputtficken”. In der Praxis wird es auf einen heftigen Muskelkater am nächsten Tag hinauslaufen.

Doch all das, was sich rund um die körperliche Liebe dreht, beinhaltet - “Tieferes”. Nein, hier will nicht gegrinst sein! Völlig im Ernst: Was  vorliegt, ist eine erstaunliche Kombination aus Sport, Lust, Religion, Ökonomie- und Kultur-Impuls. - Vor allem daran liegt es, dass Sie auf den Bildern dieser Internetseite allenfalls per Zufall die Abbildung eines Geschlechtsakts finden könnten. Es reicht völlig aus, wenn Coitus und Onanie im Alltagsleben, nach Feierabend, “vollzogen” werden. Klar ließe sich das auch pornografisch darstellen. Angebote dieser Art gibt es bis zum Abwinken. Die Frage ist nur: Warum ständig wiederholen, was eh jeder kennt? Warum repetieren, was bereits zum Automatik-Repertoire jedes Säugetiers gehört? Das Rad ist bereits erfunden.


LIEBEVOLLE VERACHTUNG
STATT VERACHTUNGSVOLLER LIEBE


Unser Projekt Loving-contempt.com / Die liebevolle Verachtung trägt sehr bewusst einen ambivalenten, einen widerspruchsvollen Titel. Zwischen Zuneigung und Verachtung krümmt sich ein Spannungsbogen. Der Bogen wird von einer Sehne gespannt, die die menschliche Tragik und Komik zwischen Lebenswirklichkeit und Lebenswunsch in kontroverse Kraft setzt.

Die liebevolle Verachtung ist ein Angebot, das zwei sehr unterschiedliche, sogar entgegengerichtete Themen miteinander verbindet: Einmal geht es um die Erotik des dominant-submissiven Rollenspiels. Zum zweiten klingt die Philosophie des Naturismus an, des ideellen menschlichen Nacktseins.

Warum diese seltsam anmutende Kombination?

Das eine, dominant-submissives Rollenspiel, ist die offensichtliche In-Szene-Setzung der Gefangenschaft. Das andere, der Naturismus, ist eine offenkundige Proklamation der Freiheit.

Das erste ist rituelles Instrument der Sexualität zur Erzeugung eines Machtgefälles. Das zweite ist die Negierung der Sexualität, damit Freiheit von Macht erreicht werde.

Das eine spiegelt die Funktionsprinzipien von Feudalismus und Oligopol-Kapitalismus. Das andere wähnt sich auf sozialistischen Pfaden.

Das erste überspitzt die Sexualität und die Endlichkeit des menschlichen Körpers, indem es diesen Körper durch Accessoirs und Symbolgegenstände betont. Das zweite macht die Sexualität lapidar und unwichtig, indem es die Nacktheit inflationiert.

Das erste sind bekleidete Frauen - um den Preis des hypersexualisierten Mannes. Das zweite sind entblößte Frauen - um den Preis des abstumpfenden, entsexualisierten Mannes.

Das erste scheint häufige Realität, das zweite unerreichbares Ideal.

Das erste drückt die Lust an der Macht aus. Das zweite das Unbehagen an der Macht. Und so hörte ich sinnigerweise auf einem Naturistencamp folgenden Witz:

Szene eins: Kommt eine Frau an dem offenen Fenster eines Hauses vorbei. Drinnen sieht sie einen nackten Mann. - Der Mann wird daraufhin von der Polizei als Exhibitionist verhaftet. - Szene zwei: Kommt ein Mann an dem offenen Fenster eines Hauses vorbei. Drinnen sieht er eine nackte Frau. - Der Mann wird daraufhin von der Polizei als Voyeur und Spanner verhaftet.

Die Frau als geheime Macht? Der Mann als geheimer Sklave? - Zahlt die Frau für ihre Macht den hohen Preis der berechnenden Dummheit? Und der Mann für sein Sklaventum den hohen Preis der berechenbaren Verzweiflung? So ähnlich jedenfalls formulierte es Anfang der 1970-er Jahre die Schriftstellerin Esther Vilar. - Ausgerechnet das lustvolle Wesen Frau verzichtet aus Gründen der Macht auf seine Lust. Und ausgerechnet das geistvolle Wesen Mann verzichtet aus Gründen der Lust auf seinen Geist.

Dilemma. Ein um so tragischeres Dilemma, als es gerade die Lust ist, die männlichen Geist erst entwickelt hat. Und als es gerade die Macht ist, die weibliche Lust erst forciert.

Die Welt widersetzt sich unserer Wunschvorstellung. Und das ist ein wesentlicher Impuls für das Schaffen von Kunst. Zufriedene Menschen, solche, die in sich ruhen, schaffen keine Kunst. Sie sind “sich selbst” Kunst genug. Autistisch auf ihr Inneres konzentriert. Weltenthoben. Nach Unterdruck implodiert. Entmaterialisiert. Nur Unzufriedene werden zu Künstlern, sie explodieren. Entweder stellen sie die Welt dar, um sie zu entblößen. Oder sie gehen einen Schritt weiter, entwerfen neue Szenarien und künftige Realitäten. Die Unzufriedenen, Hungrigen halten die Welt in Gang, sehr zum Kummer der Zufriedenen, der Satten. Und jeder Mensch nimmt zeitversetzt beide Positionen ein. Er hat die Phase des Explodierens. Wie das Weltall, das sich um den Preis der Verdünnung ausbreitet. Und eine Lebens-Phase des Zusammenziehens. Wie das Weltall, das sich aufs Neue in Materie konzentriert - um den Preis der übermäßigen Verfestigung.

Die liebevolle Verachtung “hat etwas mit Kunst zu tun”. Was macht diese Kunst aus? Man könnte sie als allumfassende Lust an der Kommunikation bezeichnen. Man könnte auch sagen, es ist Schauspiel, im Dienst der Sinnlichkeit.

Schauspiel? Realitäts-Simulationen vor der Kamera? Bühnenarbeit? Theater also? Alles nur gespielt? Alles nur gestellt, arrangiert, vorgeplant? Mit anderen Worten: Der gleiche Mist wie im “richtigen Leben”? Dort, wo wir alle nur Rollen spielen? Dort, wo wir nicht “wir selbst”, sondern nur Personen sind? Das lateinische Wort “persona” heißt nichts anderes als “Maske”. Die Maske eines Schauspielers, der eine Rolle spielt.

Rollenspiel ist ein weit verbreitetes Hobby. Medieval roleplay. Live action role play. Living history, Phantasy. Unternehmenskommunikation, Konfliktmanagement. Menschen lieben es, die Perspektiven zum facettenreichen Schillern zu bringen, miteinander zu spielen. - Und doch erwarten wir nichts sehnlicher von unseren Mitmenschen als den Verzicht auf die “Rolle”. Wir vermissen an unserem Gegenüber nichts schmerzlicher als die Authentizität. War ihr Orgasmus echt oder gespielt? Liebt er mich wirklich, oder speichelt er nur nach meiner Möse? - Unser Gegenüber solle sich (gefälligst?) offenbaren.

Ein Kerl, der ins Domina-Studio findet, erhofft sich von seiner Domina eine “Naturveranlagung” zur Dominanz. Am besten, so meint er, sei die weibliche Dominanz eine “echte”, eine grundsätzliche. - Und ein Anhänger der Nacktkultur will die Nacktheit in “unverstellter” Form: die Nacktheit nicht als Mittel zum Zweck (Produktwerbung, Ideologie-Transport), sondern um ihrer selbst willen.

Wir widersprechen in beiden Fällen! Eine naturveranlagte, eine “echte” Domina, eine Frau, die nicht dominant sein könnte, sondern es sein müsste  - das wäre auch eine “echte Gottheit”. Wir gehen davon aus: An diesem Selbstanspruch würde sie zwangsläufig scheitern.

Und ein “authentischer Nackter”? Einer, der “automatisch” nackt ist, weil es zu seiner “Wesenheit” gehört, nackt zu sein? - Warum sollten wir auch nur ein einziges Wort über derartige Selbstverständlichkeit verlieren? Wir sähen darin etwas Statisches, Gefrorenes, Geronnenes. Wir sähen darin die Langeweile nach dem Tod.

Wir fordern etwas ganz anderes. Wir fordern: Schluss mit den schwülstigen, weihevollen Offenbarungen! Schluss mit der eher berüchtigten als berühmten “Authentizität”! Das Authentische entzieht sich der Darstellung. Es ist nicht darstellbar. - Authentisch, das wäre die Abbildung des Unbeobachteten. Doch sobald das “Unbeobachtete” sich abgebildet findet, hat es seinen Eigenstatus bereits verloren.

Das Dokumentarische ist ein journalistisches Ideal, es wird niemals Realität. Nur das Unbeobachtbare ist authentisch. Und mit dieser Authentizität wird es gleichzeitig irrelevant. Mag Gott ruhig existieren! Mag er sogar existieren jenseits von Masse und Energie! Oder: Mögen die Götter ruhig ihr Trallala veranstalten! - Wen juckt das auf dem Planeten Erde?

Die Realität, das faktisch Authentische - wird repräsentiert durch das (menschliche) Theater. Ein Schauspieler, der in das Kleid seiner Rolle schlüpft. Einer Rolle - von den vielen Rollen seines Lebens: Als unbefangenes Kind. Als Jugendlicher im Sturm und Drang - und auf der Suche nach Selbstfindung. Als traurig oder glücklich Verliebter. Als Arbeit- oder Auftragnehmer. Als Arbeitgeber. Als Auftraggeber. Als Despot. Als Tyrann. Als Diktator.

Oder als gütiger Vater. Als renitenter Sohn. Als mitfühlendes Individuum. Als sanftmütiger Liebhaber. Als lendenstolzer Hengst. Als brüskierter Mensch. Als geschmeichelter Mensch. Als Hintergeher. Als Hintergangener. Als Schenkender. Als Beschenkter. Als vorwärtsstrebender Mann. Als zurückblickender Greis. - Die Realität ist nicht nur die Summe vielfältiger Individuen. Sondern die Realität ist auch die Vielfalt im Individuum selbst. Diese Vielfalt ergibt sich durch den Kontakt des Individuums mit der Umwelt. Sie ergibt sich durch die Vielfalt der Situationen.

Unser Projekt “Die liebevolle Verachtung” ist ein Plädoyer für die Vielfalt. Im darwinistisch-evolutionstheoretischen Sinn für die Vielfalt der Arten und Naturerscheinungsformen. Im kulturellen Sinn für die Vielfalt der Meinungen und Traditionen. Im wirtschaftlichen Sinn für die Vielfalt der Angebote und der Nachfrage-Neigungen.

Wir propagieren - statt dogmatischer und macht-bezogener Verengungen - die Erweiterung. Wir schüren die Begegnungen, die Kommunikation, die sinnliche materielle Wahrnehmung, den konstruktiven Konflikt - um des Begreifens willen. Leben ist das Gegenteil der Langeweile. Leben ist das Schwelgen in Vielfalt.

Ob wir denn keine Ideale haben? - Doch! Eben jenes!

Und ob wir nicht fürchten, das Ideal könne sich zum Dogma verhärten? - Es wäre das letzte, das sich verknöchern würde! - Und wo bleibt unser Bedürfnis nach Ruhe, nach Harmonie, nach Ausgeglichenheit, nach Frieden, nach Beschaulichkeit, nach Sicherheit, nach Geborgenheit? - Gegenfrage: Kennt ihr etwas, das es zum Null-Tarif gibt?

Schlafen - werden wir nach dem Tod. - Wenn wir uns den Preis des Lebens erarbeitet haben.

Soweit meine zweifelsfrei heiligen Worte.

RML - Pan meets Lilith - Die liebevolle Verachtung - 8/2004


Gottestempel der Macht - zu Menschentempeln der Freude!

 

 


We demonstrate distance to the given links to other websites, according to law in such countries like Germany. - Any commercial use, reproduction, multiplication, changing, spreading of the text material, of audios, pictures and videos of this internet domain  is forbidden. In any of these cases there must be a cooperation contract first or at least an asking for permission including loving contempt`s acceptance.

Von den angebrachten Links (elektronischen Querverweisen) auf Fremdseiten distanzieren sich die Seitenbetreiber von loving-contempt.com gemäß solcher Rechtsprechungen wie in Deutschland. Eine kommerzielle Weiterverwendung, Reproduktion, Vervielfältigung, Veränderung, Verbreitung von Texten, Audios, Bildern und Videos  dieses Internet-Angebotes ist nicht gestattet, es sei denn, es liegt eine Zusage zu einer konkreten Anfrage und eine Geschäftskooperation vor.

>> Home / Startseite
>> Imprint / Impressum