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Dilemma. Ein um so tragischeres Dilemma, als es gerade die Lust ist, die männlichen Geist erst entwickelt hat. Und als es gerade die Macht ist, die weibliche Lust erst forciert.
Die Welt widersetzt sich
unserer Wunschvorstellung. Und das ist ein wesentlicher Impuls für das Schaffen von Kunst. Zufriedene Menschen, solche, die in sich ruhen, schaffen keine Kunst. Sie sind “sich selbst” Kunst genug. Autistisch auf ihr Inneres
konzentriert. Weltenthoben. Nach Unterdruck implodiert. Entmaterialisiert. Nur Unzufriedene werden zu Künstlern, sie explodieren. Entweder stellen sie die Welt dar, um sie zu entblößen. Oder sie gehen einen Schritt weiter,
entwerfen neue Szenarien und künftige Realitäten. Die Unzufriedenen, Hungrigen halten die Welt in Gang, sehr zum Kummer der Zufriedenen, der Satten. Und jeder Mensch nimmt zeitversetzt beide Positionen ein. Er hat die Phase des
Explodierens. Wie das Weltall, das sich um den Preis der Verdünnung ausbreitet. Und eine Lebens-Phase des Zusammenziehens. Wie das Weltall, das sich aufs Neue in Materie konzentriert - um den Preis der übermäßigen Verfestigung.
Die liebevolle Verachtung “hat etwas mit Kunst zu tun”. Was macht diese Kunst aus? Man könnte sie als allumfassende Lust an der Kommunikation bezeichnen. Man könnte auch sagen, es ist Schauspiel, im Dienst der Sinnlichkeit.
Schauspiel? Realitäts-Simulationen vor der Kamera? Bühnenarbeit? Theater also? Alles nur gespielt? Alles nur gestellt, arrangiert, vorgeplant? Mit anderen Worten: Der gleiche Mist wie im “richtigen Leben”? Dort, wo wir alle nur
Rollen spielen? Dort, wo wir nicht “wir selbst”, sondern nur Personen sind? Das lateinische Wort “persona” heißt nichts anderes als “Maske”. Die Maske eines Schauspielers, der eine Rolle spielt.
Rollenspiel ist ein weit
verbreitetes Hobby. Medieval roleplay. Live action role play. Living history, Phantasy. Unternehmenskommunikation, Konfliktmanagement. Menschen lieben es, die Perspektiven zum facettenreichen Schillern zu bringen, miteinander zu
spielen. - Und doch erwarten wir nichts sehnlicher von unseren Mitmenschen als den Verzicht auf die “Rolle”. Wir vermissen an unserem Gegenüber nichts schmerzlicher als die Authentizität. War ihr Orgasmus echt oder gespielt? Liebt
er mich wirklich, oder speichelt er nur nach meiner Möse? - Unser Gegenüber solle sich (gefälligst?) offenbaren.
Ein Kerl, der ins Domina-Studio findet, erhofft sich von seiner Domina eine “Naturveranlagung” zur Dominanz. Am
besten, so meint er, sei die weibliche Dominanz eine “echte”, eine grundsätzliche. - Und ein Anhänger der Nacktkultur will die Nacktheit in “unverstellter” Form: die Nacktheit nicht als Mittel zum Zweck (Produktwerbung,
Ideologie-Transport), sondern um ihrer selbst willen.
Wir widersprechen in beiden Fällen! Eine naturveranlagte, eine “echte” Domina, eine Frau, die nicht dominant sein könnte, sondern es sein müsste - das wäre auch
eine “echte Gottheit”. Wir gehen davon aus: An diesem Selbstanspruch würde sie zwangsläufig scheitern.
Und ein “authentischer Nackter”? Einer, der “automatisch” nackt ist, weil es zu seiner “Wesenheit” gehört, nackt zu sein?
- Warum sollten wir auch nur ein einziges Wort über derartige Selbstverständlichkeit verlieren? Wir sähen darin etwas Statisches, Gefrorenes, Geronnenes. Wir sähen darin die Langeweile nach dem Tod. |