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Was ist ”Liebevolle Verachtung”?
Das erotische Rollenspiel mit Machtgefälle
ist das zentrale Thema von ”Liebevolle Verachtung”. ”Liebevolle Verachtung” ist damit ein Teil der sog. BDSM-Bewegung, in der die Ambivalenz (Doppelwertigkeit) der Sexualität deutlicher als in “braveren” Formen der Sexualität
zutage tritt. Wir glauben, dass es gesellschaftlich möglich ist, den Umgang mit dieser Doppelwertigkeit sozialverträglich zu gestalten.
Wie behandelt “Liebevolle Verachtung” das Thema “erotisches Rollenspiel”?
“Liebevolle Verachtung” stellt Frauen dominant dar und Männer hingebungsvoll. Das widerspricht bewusst den traditionellen Geschlechter-Klischees. Wir glauben keineswegs, dass diese Geschlechter-Klischees völlig falsch sind.
Doch wir wissen, dass sie allenfalls die Hälfte der Realität abbilden. Wir streiten vehement ab, dass sich Männer und Frauen nur dadurch als Ergänzung erkennen können, indem sie die Hälfte ihres jeweiligen Verhaltensrepertoires
leugnen. Für beide Geschlechter bedeutet diese Leugnung einen wesentlichen Verlust an Lebensqualität.
Warum gibt es ein Angebot wie die “Liebevolle Verachtung”?
Wir wollen über das Medium der Sexualität das
“Phänomen Macht” spiegeln, so wie es allen Menschen im Alltag, speziell im Berufsalltag, begegnet. Wir wollen mit Hilfe der Sexualität auf die große Bedeutung des menschlichen Machtstrebens hinweisen. Denn das Erkennen ist nach
unserer Einschätzung die notwendige Grundlage des Gestaltens.
Da wir uns dem naturistischen Gedanken verpflichtet fühlen, stellen wir Menschen vorzugsweise nackt dar: Die individuelle Nacktheit ist seit Menschengedenken das
Symbol der verantwortlichen individuellen Freiheit. Es ist die notwendige Provokation gegenüber destruktivem, antidemokratischem Dogmatismus und pflichtvergessener Machtgeilheit. Ein nackter Mensch ist nicht aggressiv. Er hat
seinen Kampfpanzer abgelegt - als Einladung an sein Gegenüber, den Pfeil zurück in den Köcher zu stecken.
Wie entwickelt(e) sich die “liebevolle Verachtung”?
“Liebevolle Verachtung” gründete auf einer
interessensgeleiteten und journalistischen Einzel-Initiative und hat innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Liebhaber, Freunde und Unterstützer gefunden: wohlgemerkt bei beiden Geschlechtern – was uns mit großer Genugtuung erfüllt. Wir
nennen unser Angebot ganz bewusst “pornografisch” – obwohl es nach deutscher Gesetzesdefinition alles andere als pornografisch ist. Und obwohl wir nach unserem Selbstverständnis keinen “pornografischen” Anspruch hegen. Denn unsere
Darstellungen isolieren den Menschen nicht in seine Geschlechtlichkeit. Sondern sie öffnen diese Geschlechtlichkeit zur Welt. Das deutsche Gesetz erreicht damit aus unserer Sicht genau das Gegenteil dessen, was es zu erreichen
trachtet: Eine Lobbyvertretung scheinmoralischer Minderheiten gegen unser Angebot läuft ins Leere. Auf unseren Bildern unterwerfen sich Männer körperlich gegenüber Frauen, weil diese Männer es sich aufgrund ihrer mentalen Stärke
leisten können.
Für wen ist das Angebot gedacht?
“Liebevolle Verachtung” wirkt der individuellen Verkapselung in westlichen Gesellschaftsformen entgegen, indem es die Gemeinsamkeiten soziologischer Szenen
betont, nicht die trennenden Momente. Deshalb finden sich verschiedene Szenen unter dem Dach von “Liebevolle Verachtung” wieder: ein großer Teil der BDSM-ler, Naturisten, Intellektuelle, Kulturschaffende und Kultur-Interessierte,
historisch Interessierte und historische Rollenspieler (“Medieval roleplay” / “Live action role play”), Aufgeklärte und Humanisten. “Liebevolle Verachtung” nimmt auch Anleihen aus Szenen wie “Gothic” oder “Neuheidentum” auf,
distanziert jedoch sehr deutlich von etlichen dogmatischen und religiösen Verfestigungen, die in diesen Szenen bisweilen anzutreffen sind. Insbesondere verwahrt sich “Liebevolle Verachtung” gegenüber Verbrämungen und
Romantifizierungen. Ja, wir sind romantisch veranlagt. Und gerade deshalb gehen wir sehr zurückhaltend mit der Romantik um!
Wen interessiert das Thema?
Das Thema “Macht” interessiert alle – zwangsläufig.
Denn jeder ist entweder Ausführender oder Betroffener menschlichen Machtstrebens. Sex – gewinnt vor allem dadurch an Interesse, dass er sich stark über Macht- oder sogar Gewaltaspekte darstellt. Die Gewalt-Aspekte finden sich dabei
weniger in der Sexualität selbst, als in der gesellschaftlichen Unterdrückung sexueller Bedürfnisse.
Wie wird das Thema behandelt?
Wir hassen die Political correctess, Sinnbild einer puritanischen,
bürgerlichen Scheinmoral. Deshalb sprechen wir Klartext. Wir sind spirituelle Atheisten: Wir glauben, dass sich der Mensch die Verantwortung nicht von einem oder mehreren Göttern abnehmen lassen darf. Aber wir haben auch gelernt,
dass es ein menschliches Grundbedürfnis nach Spiritualität gibt, das nach Deckung verlangt. Unsere Inszenierungen sind insofern Barock, als das Barock den “Himmel auf die Erde” geholt hat. Die dramatische Ambivalenz des Barock
(“Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt”) entspricht zudem unserer Titelgebung.
Wie kam “Liebevolle Verachtung” zustande?
Der Gedanke zur Titelgebung kam um das Jahr 2000 herum, in einer verregneten
Heiligabend-Nacht in einer Stadt im Ruhrgebiet – durchaus in einer etwas trüben Stimmung. Aber es war die Tauf-Stunde einer hoffnungsvollen “neuen alten” Idee.
Uns fiel auf, dass es kein offizielles, selbstbewusst lautes
Sprachrohr für Männer gab, deren erotisches Interesse dominanten Frauen gilt. Wir haben dieses Sprachrohr geschaffen. Und wir haben dabei entdeckt, dass nicht nur Männer eine große Lust auf selbstbewusste, erotisch starke Frauen
empfinden. Sondern, dass vor allem die Frauen selbst zur Verwirklichung ihrer (ganz offensichtlich wesenhaften!) Natur zurückfinden wollen.
Warum steht die erotisch gewidmete, weibliche Dominanz bei “liebevolle
Verachtung” so stark im Vordergrund?
Wir sind dominant-submissive Switcher, also erotische Wechselspieler in der Dramaturgie um Macht und Veranwortung, Unterwerfung und Hingabe. Unser Switchertum hat eine gute
Begründung: Wir sind pragmatische Darwinisten – im erhobenen wissenschafts-ethischen Sinne des Wortes. Natur dokumentiert sich für uns niemals in der Verengung und Spezialisierung, sondern immer in der Erweiterung und Vielfalt. –
Wenn wir trotz allem den Mann submissiv darstellen und die Frau dominant, hat das gleich mehrere Gründe.
Der lapidarste dieser Gründe ist rechtlicher Natur: Dogmatischer Feminismus hat in konservativen Staaten wie den USA
oder Deutschland eine lange Tradition und eine starke politische Lobby. Die unterwürfige mediale Darstellung von Frauen wird von dieser Lobby als “menschenunwürdig” empfunden und deshalb gesellschaftspolitisch verfolgt und geahndet
(Opfer-Koketterie des dogmatischen Feminismus mit gleichzeitiger Einforderung von “Wiedergutmachungs-Leistungen”). – Bei der unterwürfigen Darstellung von Männern gegenüber Frauen besteht dieses Problem aufgrund der bürgerlichen,
christlich-religiösen Geschlechter-Klischees nicht. Männer werden im bürgerlichen Klischee als stark gezeichnet. Die freiwillige Natur ihrer “Unterwerfung” ist demnach offensichtlich. Uns, der “liebevollen Verachtung”, eröffnen
diese Klischees Rechtssicherheit im laufenden Betrieb unseres Angebots – von einem moralisch konservativen deutschen Standort aus.
Ein wichtigerer Grund ist u.a. journalistischer Natur und gehorcht der sog.
“man-bites-dog-Formel” (= Das Ungewöhnliche beschreiben, nicht den etablierten Regelfall!). Die weibliche Dominanz wird von der bürgerlichen Gesellschaft offiziell hartnäckig geleugnet. Um so interessanter, die Dominanz der Frau
gerade deshalb in Szene zu setzen!
Ein dritter Grund, warum wir Frauen gegenüber Männern als erotisch dominant darstellen, liegt darin, dass uns weibliche Dominanz von der Natur vorgegeben zu sein scheint.
Eine
“Naturvorgabe” bildet dabei wohlgemerkt keine Rechtfertigungs-Grundlage für unser Handeln. Wir glauben aber, dass Männer mehr Macht in unseren Gesellschaften erhalten, indem die (hintergründige) Macht von Frauen deutlicher wird.
Wir sind überzeugt, dass man die Dinge erkennen muss, bevor man sie in zivilisatorische Bahnen lenkt. Die Angst vor weiblicher Macht hat Männer seit langen Zeiten dazu verleitet, sog. patriarchalische Gesellschaftssysteme zu
errichten. Diese Systeme beruhen auf der Leugnung weiblicher Macht, nicht auf deren sozialverträglicher Relativierung. Religionen wie das Judentum, das Christentum oder der Islam sind Weltmeister im angstvollen Leugnen weiblicher
Machtstrukturen. Wir sehen diese Religionsgebilde deshalb als extrem ungeeignet zur konstruktiven Gestaltung von Gesellschaften an. Angst ist für uns keine brauchbare Grundlage zur Erschaffung sinnvoller sozialer Strukturen.
Wie unterscheidet sich “Liebevolle Verachtung” von anderen, thematisch ähnlich gelagerten Angeboten?
So verpönt offene Erotik während des Viktorianismus und des Wilhelminismus war, so inflationär scheint sie heute
zu schwelgen. Allerorten bieten Prostituierte und Dominas ihre Dienste an. An jedem Zeitschriftenkiosk quellen die Busen. - Wir halten das für eine trügerische Oberfläche. Denn je stärker das Thema “Sexualität” über die
Massenmedien verbreitet wird desto weniger findet Sexualität im zwischenmenschlichen Umgang statt. Das geflügelte Wort “Sexs sells” gilt immer nur so lange, wie unausgelebte Bedürfnisse “instrumentalisiert” werden können
(Kaufanreize über basale Bedürfnis-Ansprachen). Wären die sexuellen Bedürfnisse der Gesamtgesellschaft tatsächlich gesättigt, gäbe es keinerlei Rechtfertigung mehr für Medienmacher, das Thema Sexualität zu transportieren. Es würde
sich betriebswirtschaftlich nicht rechnen.
Das sich ein mediales Suggerieren befriedigter Sexualität auch heute betriebswirtschaftlich kaum rechnet, hat einen ganz anderen Grund als die vielerorts gemutmaßte sexuelle
Sättigung der Gesamtgesellschaft: Wirtschaftskrise. Bei warengesättigten Märkten und gleichzeitig wegbrechender Kaufkraft wird es immer schwieriger, Waren und Dienstleistungen am Markt abzusetzen. Sex wird von den Medienmachern
dabei als letzter Rettungsanker bei den Verkaufsargumenten angesehen. Daneben steigt vor allem der Anteil derjenigen Menschen, die Sex nicht zu ihrer individuellen Bedürfnisbefriedigung am Markt anbieten, sondern auch schierer
wirtschaftlicher Not.
“Liebevolle Verachtung” würde das Thema Sex am liebsten kostenfrei anbieten. Denn wir sind überzeugt, dass die Gesellschaft wichtigere Aufgaben hat als das kollektive Jagen nach sexueller
Bedürfnisbefriedigung. – Doch auch wir sind dem betriebswirtschaftlichen Diktar unterworfen. Redaktionelle Arbeit muss bezahlt sein, um gemacht zu werden. Unsere Models brauchen ihre Honorare. Und auch Requisiten und Locations
kosten Geld, das eingespielt werden muss.
Welche Absicht verfolgt Liebevolle Verachtung?
Der menschliche Wunsch nach dem Wechselspiel von Verantwortung und Hingabe ist ein sehr verbreitetes Bedürfnis. Hier
spiegelt die Erotik das alltägliche Arbeitsleben. Die Macher von “Liebevolle Verachtung” sind überzeugt, dass unser Leben besser und glücklicher wird, wenn wir die Rollen von Macht und Unterwerfung in der Sexualität “üben” – um im
außersexuellen Alltagsbereich verantwortlich damit umgehen zu können. Der nackte menschliche Körper ist das Symbol für den freien und friedlichen Geist. Aber der Mensch hat ein natürliches Aggressionspotenzial, dass nach
Triebbefriedigung ruft. In der Sexualität ist diese Triebbefriedigung ohne das Blutvergießen von Kriegen möglich.
Gegen was richtet sich die Arbeit der “Liebevollen Verachtung”?
Wir wenden uns gegen
Machtphilosophien innerhalb aggressiver Religionskonstrukte wie Judentum, Christentum, Islam. Die sozial schädliche Aggression dieser Religionen ergibt sich aus deren Scheinmoral und deren Instrumentalisierung menschlicher
Sexualität. Die Legitimations-Einschränkung der Sexualität auf die Reproduktion, auf das Kinderzeugen also, führt weltweit zur Überbevölkerung, damit zur Ressourcenverknappung und in der Folge notwendig zu Kriegs- und
Bürgerkriegs-Ausbrüchen. Wir sind keineswegs Pazifisten. Doch wir bezweifeln, dass Menschen eine ernsthafte Aufgabe darin sehen könnten, für den Wohlstand anderer Menschen zu töten und getötet zu werden. – Speziell auf Deutschland
bezogen: Wir glauben nicht an das Propaganda-Wort von der “Überalterung” der deutschen Gesellschaft. Wir glauben vielmehr, dass der Geburtenrückgang in Deutschland und in einigen anderen Staaten Europas auch außerhalb von Europa
gefördert werden muss. Eine “Überalterung” von Bevölkerungen kann nur bei umlagefinanzierten Rentenversicherungssystemen stattfinden. (In Deutschland führte die restaurative Figur Bismarck ein solches Versicherungssystem ein – um
Menschen unmündig, abhängig und verantwortungs-unfähig zu halten). In anderen Systemen gibt es keine “Altersrente”. Dort wird das Arbeiten bis zum individuellen Tod nicht als Last, sondern als natürliche und spirituelle
Selbstverständlichkeit empfunden. Und dort wird “rechtzeitig” gestorben (um den Zynismus der deutschen Wirtschaftskrisen-Politik in der Wortwahl aufzugreifen). “Rechtzeitig gestorben” wird deshalb, weil Arbeit naturgemäß zur
Erschöpfung führt. Der mit reichlich Larmoyanz beklagte “Jugendwahn” in unserer Gesellschaft tritt gar nicht ein – denn das Verhältnis junger Menschen zu alten Menschen wird ausgewogen sein. Einen “Jugendwahn” kann es nur dort
geben, wo die Jugend aufgrund einer exquisiten Seltenheit zum Eigenwert gerät. |
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