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Freie Sexualität, freier Geist und freie Wirtschaft haben immer eine schlüssige Einheit gebildet. - Wir spiegeln religiöse und wirtschaftliche Machtanballung - über das Medium dominant-submissiver Erotik. Die Macht gehört “ins Bett”. Nicht in die Wirtschaft.

Zu allen Zeiten haben Mächtige versucht, die Sexualität einer  Mehrheit zu instrumentalisieren.

Am erfolgreichsten gelang dies dem Unternehmen der katholischen Kirche. Es sind große Kunstwerke und bedeutsame kulturelle Leistungen dabei entstanden. Aber wir empfinden, dass der Preis für diese Kultur der Machtanhäufung zu hoch war.

Heute sind die Kirchen in Deutschland leer. Kaum jemand scheint sich zu interessieren für die alttestamentarischen Bibel-Sprüche von den Kanzeln. Die Kinder in den Schulen wenden sich immer noch befremdet von ihren Religionslehrern ab - oder machen sich über sie lustig. Warum? Ein Mensch jeden Alters spürt instinktiv, wenn sein Gegenüber unglaubwürdig ist. Wenn er lügt, weil er - um seines Überlebens willen zum Lügen gezwungen ist.

Aber die aufgeklärte, moderne Stimmung täuscht. Unsere Wirtschaftskrise wird sich weiter verschärfen. Die Krise ist politik-gemacht. Politiker, egal von welcher der im deutschen Parlament vertretenen Parteien, fordern von ihrer Bevölkerung Opfer. Für eine volkswirtschaftliche Situation, die diese Bevölkerung nicht zu verantworten hat. Auch in der aufziehenden Not trinken Politiker noch Wein - während sie ihren Untertanen das Wasser predigen. Politiker handeln so, wie die Vertreter der Kirchen und Sekten es immer getan haben.

Freilich wissen etliche Untertanen das. Die Proteste gegen “Harz IV” werden kein ostdeutsches Phänomen bleiben. Sie werden sich auf die “alten Bundesländer” ausweiten. Wo keine (bezahlte) Arbeit ist, versucht man Menschen zu zwingen, welche anzunehmen. Eine zunehmende Anzahl Menschen wird genötigt sein, “kostenfrei” zu arbeiten. Wir kennen dafür ein Wort: Sklaverei. Viele, die hilflos die wirtschaftlichen Zuspitzungen in Deutschland erleben, werden ihr Heil ums Neue in der christlichen Religion suchen. Wie zuvor schon geschehen in Sachen fundamentalistischer Islam-Terror.

In einem anderen Staat, der jenseits christlicher oder muslimischer Traditionen steht, findet die Sklaverei seit langem statt. Dorthin wandert bald die Mehrzahl der europäischen Arbeitsplätze: “Volksrepublik China”. Deng Xiaoping, der “Vater des chinesischen Wirtschaftswunders”, war 1989 verantwortlich für das Massaker auf dem “Platz des himmlichen Friedens”. Die Diktatur in China hat sich nicht geändert. Der krude Mix aus traditionellem Konfuzianismus und naivem Sozialismus nennt sich heute nicht mehr kommunistisch, sondern hat sich ein “kapitalistisches Label” verpasst. China funktioniert zunehmend nach dem Prinzip des kapitalistischen Überwachungsstaates Singapur.

Die Eskalation der weltwirtschaftlichen Situation wird durch die Abwanderung europäischer Arbeitsplätze nach China wesentlich beschleunigt. Bereits Kleinunternehmen sind heute gezwungen, in diktatorisch regierte Staaten wie China abzuwandern. Die Politik hat diesen Unternehmen keinen Entscheidungsspielraum gelassen. Denn unsere Politik ist mit Konzernen verflochten. Politiker sitzen in den Aufsichtsräten und Vorständen der multinationalen Unternehmen. Gewählte Politiker lassen sich sowohl von ihrem Wahlvolk bezahlen als auch von Gruppen, deren Interessen gegen das Wahlvolk gerichtet sind.

Bei den kleinen und mittleren Unternehmen können die Anstrengungen um Kostensenkung nicht zum erfolggekrönten Ergebnis führen. Denn sie können nicht in China oder anderen Billiglohnländern produzieren, die geschaffene Ware aber gleichzeitig im alten Heimatland absetzen. In diesem Heimatland wird niemand mehr Geld haben, um die Waren zu bezahlen. Man muss einen Oscar Lafontaine nicht sympathisch finden, um das Argument der nötigen Inlandskaufkraft zu begreifen.

Wenn dieses Argument bei entscheidungstragenden Politikern nicht zählt, lässt das einen logischen Schluss zu: Diese Poliker nehmen die Umwandlung eines demokratischen Staates Deutschland in einen Feudalstaat mit Leibeigenschaften billigend oder sogar berechnend in Kauf.

In einer Sache haben unsere Politiker sicherlich recht: Unsere Sozialsysteme lassen sich aufgrund des Bevölkerungsrückgangs nicht mehr finanzieren. Aber die umlagefinanzierten Sozialsysteme sind keine Erfindung der sozialen Marktwirtschaft. Sie sind eine Erfindung von Otto Fürst Bismarck, der im ausgehenden 19. Jahrhundert damit eine sozialistische Arbeiterschaft politisch ruhigstellen wollte.

Das Prinzip der Marktwirtschaft ist nicht die Ursache der deutschen und europäischen Wirtschaftskrisen. Die Ursache der Krise liegt darin, dass das wichtigste marktwirtschaftliche Prinzip niemals ausreichend angewandt wurde: die Kontrolle und die Beschneidung von Macht.

Nach den theoretischen Vorlagen des Volkswirtes Walter Eucken wurde zur Kontrolle wirtschaftlicher Machtanballungen die Institution des  Kartellamtes geschaffen. Möglicherweise ist dieses Kartellamt bis heute die einzige sinnreiche Behörde in Deutschland.

Doch die Kontrollfunktion des deutschen Kartellamtes greift nur national. Bei globalisierten Märkten verkommt die Kartellkontrolle zur Farce. Auf Ebene der Europäischen Union gibt es zwar eine Institution zur Kontrolle von Kartellen. Allein: Die Institution wird ihrer Aufgabe nicht gerecht. Erst Mitte 2004 hat die genehmigte Fusion von Sony mit der Bertelsmann Music Group (BMG) gezeigt, dass die Beschneidung von Marktmacht unterbleibt. Bereits wenige Wochen nach der Fusion wurden sowohl bei Sony als auch bei BMG mehre 100 Arbeitsstellen wegrationalisiert. - Wie steht es auf Ebene der Welthandelsorganisation (WTO)? - Hier findet gar keine erkennbare Kartellkontrolle mehr statt.

Was bedeutet das? - Volkswirtschaftliche Systeme sind direkt vergleichbar mit biologischen Entwicklungsprozessen. Aus der Biowissenschaftl Ökologie kennen wir den Begriff der Sukzession, des  Wechsels biologischer Gesellschaften. Ändern sich die Umweltbedingungen für eine oder mehrere bestehende Gesellschaften, tritt häufig die Entwicklung in Richtung eines Klimaxstadiums ein. Das ist ein stabiles, langandauerndes Schlussstadium. Auf Volkswirtschaften bezogen: Halbherzig verfochtene Marktwirtschaftssysteme ändert sich auf globaler Ebene zunächst in Oligopolstrukturen. Der letzte übrigbleibende Oligopolist wird zum globalen Monopolisten. Die Klimax-Situation ist erreicht. Sie trägt den Namen Despotismus. Der letzte überlebende Wirtschaftsgigant wird zum politischen Diktator über den Globus.

Historisch gesehen repräsentiert das Christentum im allgemeinen, die katholische Kirche im speziellen eine solch diktatorische Instanz. Um das Jahr 1500 herum hatte die Kirche das gesamte “Heilige römische Reich deutscher Nation” in einen Hexenkessel von Intrige, Verrat, Mord,  Totschlag, Leibeigenschaft und Sklaverei verwandelt. Erst die Französische Revolution und die nachfolgenden Eroberungsfeldzüge Napoleons vermochten diese Macht für eine kurze Zeit zu brechen. Das, was heute wieder in großer Gefahr ist, Demokratie, verdanken wir  “den Franzosen”.

Wir können nicht sagen, dass wir nicht gewarnt waren. Wir kennen alle das historische Beispiel der Kirche. Und wir wissen, dass diese Institution bis heute für Mord, Totschlag und Leiden in der Welt sorgt. Diese Institution ist sadomasochistisch - im pathologischsten der möglichen Sinne. Die Macht-Eskalation der Kirche hat nach dem gleichen Prinzip funktioniert wie der heutige islamische Terror-Fundamentalismus:


1. Entziehe den Menschen ihre Arbeit und Einkommensmöglichkeiten.

2. Warte, bis es ihnen so schlecht geht, bis ihnen nichts anderes mehr übrig bleibt, als ihr Schicksal “in die Hände Gottes” zu legen.

3. Erzähle ihnen, dass die Belohnung für ihr hartes Erdenschicksal ein posthumes Paradies-Dasein bei Gott sein wird.

4. Lass sie für dich arbeiten, sobald du dir sicher bist, du hast ihr Gehirn in vorgenannter Weise gewaschen.

5. Sei dir immer bewusst: Sobald du die Sexualität von Menschen im Griff hast, kontrollierst du ihren Geist. Sobald du ihren Geist kontrollierst, werden sie auch dauerhaft und untertänig für dich arbeiten.


Wir machen eine Porno-Seite. Aus politischen Beweggründen. Wir wissen, dass es zum jetzigen Zeitpunkt eine Inflation pornografischer Bilder gibt. Aber wir sind uns gewiss, dass aus dieser Inflation von heute auf morgen ein fundamentalchristliches oder ein fundamentalislamisches Verbot werden könnte.

Religiöse Fundamentalisten sind die instrumentalisierte Vorhut der wirtschaftlichen Diktatur. Wir werden uns nicht vorwerfen lassen, dieser Entwicklung nicht entgegengetreten zu sein.

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RML / LVLC 9/2004

 


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